Immunstatus

Verschiedene immunologische Laboruntersuchungen sollten -als Basis der Mikroimmuntherapie- in folgenden Fällen herangezogen werden:

  • Bei chronischen und/oder rezidivierenden Infektionen
  • Bei ungewöhnlicher Schwäche und chronischer Müdigkeit
  • Beim Verdacht auf Autoimmunerkrankungen
  • Bei Krebserkrankungen

a) Die Lymphozytentypisierung 

Die Lymphozytentypisierung dient der Bestimmung des Immunstatus des Patienten. Dabei kann zunächst anhand der Gesamtanzahl der Lymphozytenpopulationen festgestellt werden, ob eine allgemeine immunitäre Hypoaktivität (Lymphopenie) vorliegt. Dies ist dann der Fall, wenn die Gesamtanzahl unterhalb des Richtwertes liegt. Falls keine Lymphopenie oder Lymphozytose vorliegt, kann man durch Untersuchung der vier Hauptsäulen des Immunsystems den Zustand der spezifischen immunitären Hypoaktivität oder der spezifischen immunitären Hyperaktivität feststellen. Bei den vier untersuchten Hauptsäulen des Immunsystems handelt es sich um folgende:

  • T4-Lymphozyten (=CD4+ = T-Helfer)
  • T8-Lymphozyten (= CD8+)
  • Zytotoxische T8-Lymphozyten (= CD8+CD57-)

B-Lymphozyten (= CD19+) Wenn mindestens eine der vier Säulen unterhalb des Referenzbereichs liegt, dann befindet sich das Immunsystem im Zustand der spezifischen immunitären Hypoaktivität. Wenn keine spezifische immunitäre Hypoaktivität vorliegt und wenn mindestens eine der vier Säulen über dem Referenzwert liegt, dann befindet sich das Immunsystem im Zustand der spezifischen immunitären Hyperaktivität.

mikroimmun

  • Die Lymphozytentypisierung erlaubt folgende Feststellungen:
  • Bestimmung des Immunstatus des Patienten (Hypoaktivität oder Hyperaktivität)
  • Ausrichtung der ätiologischen Nachweise auf Ursachen bakterieller, viraler, parasitärer oder mykotischer Art
  • Verfolgung der Entwicklung des Immunzustands des Patienten
  • Anpassung der therapeutischen Vorgehensweise

b) Serologien

Mithilfe der Serologien kann einerseits das Vorhandensein einer viralen Reaktivierung nachgewiesen werden. Andererseits kann das für eine bestimmte chronische infektiöse Pathologie verantwortliche Pathogen identifiziert werden. Eine virale Reaktivierung liegt dann vor, wenn sich ein Virus der Kontrolle durch das Immunsystem entzieht. Die Betrachtung konzentriert sich deshalb auf die virale Reaktivierung, weil sie einerseits ein Ausdruck für das Scheitern der Immunreaktion ist und da sie andererseits der Auslöser für eine Blockade des Immunsystems sein kann. Zu einer viralen Reaktivierung kann es kommen, wenn das Virus sein Genom in der menschlichen DNS einlagert (z.B. bei HIV, EBV) oder wenn sich das Virus in Form eines Episoms in den Zellen des Wirtes verbirgt (z.B. Herpesviren). Man sollte auf jeden Fall immer die Hypothese einer möglichen Reaktivierung des Epstein-Barr-Virus (EBV) untersuchen (Siehe hierzu die wissenschaftliche Studie von Dr. Gilbert Glady und Dr. Lourdes Reig: Studie über die Wirkung der spezifischen Mikroimmuntherapie bei Patienten, die unter einer chronischen Erkrankung in Verbindung mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) leiden. Diese Studie ist in der deutschen Fachzeitschrift Erfahrungsheilkunde, Ausgabe 5/2005, Band 54 erschienen und ist als Nachdruck bei der Deutschen Gesellschaft für Mikroimmuntherapie (DeGeMIT) oder als Download auf der Website www.degemit.org erhältlich). Bei den Serologien werden die Titer der verschiedenen Antikörper durch das Verfahren der indirekten Immunfluoreszenz gemessen. Eine virale Reaktivierung liegt dann vor, wenn der gemessene Wert den Referenzwert des Labors um mehr als das Fünffache übersteigt. Die serologischen Laboruntersuchungen erlauben einerseits eine genaue Ausrichtung der mikroimmuntherapeutischen Behandlung, in Abhängigkeit von der festgestellten viralen, bakteriellen, parasitären oder mykotischen Belastung. Andererseits erlaubt sie eine Bewertung der erzielten Behandlungsergebnisse und ermöglicht gegebenenfalls eine Modifizierung der Therapie.

c)  HLA-Typisierung

Die HLA-Typisierung besteht in der Identifizierung der verschiedenen Oberflächen-Antigene mit deren Allelen, die durch den MHC (= Haupthistokompatibilitäts-Komplex) der Zellen im Organismus exprimiert werden. Jeder Mensch hat eine eigene und einmalige HLA-Typisierung. Diese Untersuchung wird nur einmal im Leben durchgeführt. Sie wird gemeinhin als immunologische Genkarte bezeichnet.

Diese immunologische Genkarte gilt als wesentliche Datengrundlage und definiert das Aktionsfeld der Immunabwehr und dies insbesondere bei Autoimmunerkrankungen. Mithilfe der HLA-Typisierung kann eine genetische Prädisposition für autoimmune und chronische Erkrankungen festgestellt werden. Es besteht beispielsweise eine molekulare Ähnlichkeit zwischen HLA-DR4 und einem EBV-Antigen. Bei Patienten mit rheumatischer Polyarthritis und HLA-DR4-Gen ist daher häufig eine Reaktivierung des EBV zu beobachten. Die immunologische Laboruntersuchung deutet also auf die Notwendigkeit einer mikroimmuntherapeutischen EBV-Behandlung hin, um die Immunabwehr gegenüber der rheumatischen Polyarthritis zu stärken.

Das HLA-System (Human Leucocyte Antigens)

Die HLA beim Menschen befinden sich am kurzen Arm von Chromosom 6. Man unterscheidet zwei wichtige Klassen mit deren Suballelen, HLA-Klasse I (A, B, C) und II (DP, DR, DQ). Die Mehrzahl der Zellen im Organismus exprimieren HLA der Klasse I und gehen mit endogenen und viral bedingten Peptiden Bindungen ein. Die HLA der Klasse II werden nur von antigen-präsentierenden Zellen, Monozyten und bestimmten B- und T-Zellen exprimiert; sie verbinden sich mit exogenen und bakteriell bedingten Antigenen. Aus der Vielfalt der Gene leitet sich die Besonderheit (biologische Identität) des einzelnen Menschen ab. Diese sog. Histokompatibilitäts-Antigene sind die Hauptursache für die Abstoßung von Transplantaten durch den Organismus, da sie im Körper die Aufgabe der «Grenzpolizei» übernehmen.

Mithilfe der genannten Laboruntersuchungen kann die Diagnose schnell präzisiert werden. Gegebenenfalls können noch weitere Laboruntersuchungen, wie z.B. Messung der IL2-Rezeptoren und NK-Zellrezeptoren, Bestimmung des Proteinprofils, Bestimmung des Autoantikörpertiters, etc. hinzugezogen werden.